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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

28. August bis 1. September 2008 – Haus Rheinsberg – Hotel am See –

So lautet die Adresse zu der 32 Poliobetroffene mit Ihren Begleitpersonen und Helfern vom 28. August bis zum 01. September 2008 gereist sind.

Die in Lübeck Wartenden bekommen einen Anruf, die Ankunft des Busses ist etwas später. Na ja, macht nichts. Kaum wissen es alle, fährt der behindertengerechte Bus aus Kaltenkirchen schon um die Ecke.

Oh, Schreck zwei fehlen noch. Das Taxi hatte sie fast vergessen. Aber um kurz nach 11 Uhr sind alle da, und wir starten.
Jens begrüßt uns und gibt einige wichtige Infos an uns weiter. Wir erhalten einen sehr hübschen Flyer, indem alle notwendigen Termine der nächsten Tage notiert sind.
Der Spruch „Wusste ich ja nicht!“ wird also nicht ankommen.
Die Fahrt führt uns durch das schöne Stecknitztal, weiter über die Autobahn mit einer ausgiebigen Pause (Schaalsee).Um15.00 Uhr kommen wir in Rheinsberg an.
Dort erwarten uns schon Klaus Kunert mit seiner Gemahlin aus Berlin und Herr Jan Zohn, ein netter Mitarbeiter des Hotels.

Ankunft in Rheinsberg

Das Ausladen und spätere Einschecken verläuft reibungslos. Wir werden auf unsere Zimmer begleitet. Alle technischen Details bekommen wir erklärt.
Jetzt können wir in Ruhe auspacken, uns umsehen und etwas ausruhen. Wir haben uns gleich „die Beine vertreten“ und bei herrlichem Sonnenschein einen schönen Spaziergang an der Promenade gemacht. Ab 19.00 Uhr sind vier Tische zum Abendessen reserviert.
Später sitzen wir dann noch gemütlich im Kaminzimmer beisammen.

Freitag

Beim Frühstück am nächsten Morgen sind viele von den ungewohnten Betten doch etwas lädiert. Aber fast pünktlich sitzen wir um 9.00 Uhr im Bus, der uns sehr sicher nach Potsdam bringt. Unterwegs wird unseren Geburtstagkindern ein Ständchen gesungen. Aber in Potsdam finden wir unseren Treffpunkt nicht gleich. Also muss „das Bedürfnis“ am Luisenplatz erledigt werden.

 

 

Ach du je, das WC schließt nicht. Was tun? Wir bilden eine Mauer und so geht’s dann doch………!

Mit etwas Verspätung (wir sollen uns ja nicht hetzen) treffen wir am Treffpunkt ein, und die Reiseleitung führt uns durch das geschichtsträchtige Potsdam. Einfach toll, und da wir alles vom Bus aus betrachten, ist ein Wiederkommen fast schon Pflicht. Von all den Eindrücken sind wir nach fast zwei Stunden etwas erschöpft.
Die Fahrt geht jetzt zu den Babelsberger Filmstudios. Ein leckeres Essen im „Prinz Eisenherz“ wartet auf uns. Die Zeit danach wird genutzt, sich alles genau anzusehen. Wie wird eine Kulisse hergestellt oder ein Kleid genäht und die Perücken gearbeitet. All dies können wir uns ansehen und erklären lassen.

King Kong und den kleinen Steinbeißer sehen wir.

 

Eine Geisterstadt und Vulkane sind zu bestaunen. Wir können in eine Tiershow, sehen wie „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ gedreht werden. Aber 30 Min. still sein, nee das klappt bestimmt nicht, wir lachen doch viel zu gern. Um 18.00 sitzen dann alle müde im Bus.
Der Abend klingt im Tucholsky aus und einige Unermüdliche treffen sich noch (?) – in der Bar.

 

Samstag

Heute wird, nachdem wir tüchtig im Schwimmbad unsere Glieder bewegt haben, gemütlich das sehr gute, reichhaltige Frühstück eingenommen. Um 10.00 Uhr treffen wir uns in einem Seminarraum. Dr. med. Matthias Frenzel – Schmerztherapeut- aus der Klinik Stralsund referiert zum Thema „Schmerztherapie bei PPS“, und später werden wir von der Physiotherapeutin Frau Rother über die „Dorn-Breuss-Methode“ informiert.
Nach den informativen Vorträgen sind alle sehr hungrig und freuen sich über das schmackhafte verspätete Mittagessen, denn wie immer haben die Beiträge doch länger gedauert als geplant.
Nach einer Pause wollen wir ins Hafendorf. Im Hotel kann man sich Rollis leihen. Dies tun wir und marschieren zu fünft los. Vier Leute fragen wir: „Wie weit ist es bis zum Dorf?“
„Also in 10 Minuten sind sie da“, war die Antwort. Eine Dreiviertelstunde hat es dann gedauert. Rauf und runter. Puh, war doch ganz schön anstrengend.

Wir haben das Dorf erreicht und die Pause tut gut!

Wir haben uns unser Eis verdient und werden bei herrlichem Sonnenschein, mit einem wunderschönen Blick zu den Häusern auf den Leuchtturm und den See belohnt. Aber zurück müssen wir auch noch. Gott sei gedankt, Jens ist auch dort und hat sich einen Scooter geliehen und nimmt meine Freundin im Schlepptau mit zurück ins Hotel. Da brauche ich sie nicht die Hügel rauf und runter schieben.

Jens in seinem Scooter

Aber bevor wir uns für das Konzert fertig machen, ruhen wir gründlich aus. Das tut gut.
Um kurz vor 19.00 Uhr gehen 26 von uns in das „Piano, Pianissimo Konzert“, mit Schülerinnen und Schülern der Klavierklasse von Prof. S. Lehmsteht am Musikgymnasium. Schloss Belvedere Weimar

Auf dem Weg ins Konzert

 

Es geht gleich los!

Dazu nur zwei Worte: Genuss pur. Erwähnenswert ist aber noch, alle Rollifahrer konnten ohne Probleme in den Konzertsaal und sitzen in der ersten Reihe. Sehr nette, junge Menschen helfen, dass alles klappt. Sie bringen uns in der Pause Programmhefte und Getränke.
Nach dem Konzert haben wir Hunger. Das muss wohl an der guten Rheinsberger Luft liegen. Also machen wir uns, es ist schon dunkel, auf den Weg in den Ratskeller. Gut tut das Essen, nett ist die Bedienung.

Wer noch nicht müde ist, trifft sich später wo?

In der Bar zu einem erfrischendem, alkoholfreien Cocktail

Sonntag

Der Sonntag ist, wie schon im alten Testament geschrieben, zum Ruhen. Das tun wir auch. Ich gehe schwimmen und spät gibt es Frühstück. Da uns „Fußgängern“ die kleine Wanderung am Samstag doch etwas Kraft gekostet hat, sitzen wir im Seehof trinken einen Milchkaffee, schauen aufs Wasser und haben viel Spaß. Pünktlich um 13.15Uhr treffen sich 10 Rollifahrer und 13 „Geher“ zu einer Bootstour.


Es ist ein Boot ohne Handicap. Es heißt „Tristan“. Dieter und der Kapitän erklären uns alles ganz genau. Es sind zwei wunderschöne Stunden. Wir singen Shantys und bekommen kühle Getränke. Haben ein wunderschönes Panorama.


Und schreiben ins Gästebuch:

23 Polioleute begaben sich auf große Fahrt
Alle hatten gute Laune, gleich beim Start.
Bei Sonnenschein und guter Führung,
mit Dieter und dem Kapitän,
konnten wir trotz Schnäpschen von unserem Boje,
die Landschaft an uns vorüber ziehen sehen.
Viel zu schnell ging diese Fahrt vorbei,
wir sagen Danke und bye, bye!!!!!!!!!!!!!!!!

Wieder an Land, ist eine Stunde Pause (in der Zeit packe ich schnell unsere Taschen, damit ich später nicht in Stress gerate) und dann? Gehen wir, na? Essen.
Am Morgen haben wir den Tisch bestellt. Wir sitzen in der Abendsonne und genießen!
Lecker, lecker schmeckt es allen. Ist ja auch wichtig, denn heute ist noch Kegeln. Da wollen wir gut gestärkt ankommen.


Viele von uns haben sich nicht vorstellen können, dass ein Rollifahrer auch kegeln kann.
Er kann! Und wie toll das geht. Alle haben viel Freude, und als wir um 22.00 Uhr auf die Zimmer gehen, sind wir zwar müde aber glücklich.

Montag

Am Morgen geht es nicht zum Schwimmen, die Zeit reicht nicht.


Abreise ist um 9.00Uhr
Wir sitzen pünktlich im Bus und die Fahrt geht los. Schade, wir hätten es auch noch einige Tage länger ausgehalten. Im Bus singen wir unserem Geburtstagskind ein Lied.
Unser nächster Halt ist Rostock. Hier erleben wir eine Stadtrundfahrt und eine abenteuerliche Kirchenbesichtigung. Es gibt zwar eine Rampe in die Kirche, aber es ist doch sehr steil und bedarf etwas Mut, dort hinunterzufahren.

Noch ahnen wir nicht, wie abenteuerlich es wird

Unser letztes gemeinsames Essen bekommen wir im „Alten Fritz“. Ein sehr gemütliches Restaurant, direkt mit Blick zum Wasser und das Essen ist wieder einmal sehr schmackhaft.

Unser Abschiedsessen im „Alten Fritz“

Aber nun heißt es Abfahrt. Und als ob der Himmel auch traurig ist, dass unsere Reise endet, es regnet.
Jetzt geht alles schnell. Es gibt noch ein Abschiedslied. Dann die Ankunft in Lübeck, das Gepäck wird ausgeladen, letzte Umarmungen und alles ist zu Ende.
Wir kommen um 18.00 Uhr bei uns in Berkenthin an und mein kleiner Hund Tadeusz freut sich sehr, dass das Frauchen wieder da ist.

Wir haben die Tage genossen.
Das behindertengerechte Haus hat dazu beigetragen, dass wir uns wohlfühlen konnten.
Wir haben gute Gespräche geführt und uns gefreut, dass der Eine oder Andere sich in den Rolli gesetzt oder einen Scooter ausprobiert hat, und dabei feststellen konnte, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.
Die Vorträge von Dr. Frenzel und Frau Rother werden ihre Früchte tragen. Ich warte nicht mehr so lange, Medikamente zu nehmen, wenn ich Schmerzen bekomme.
Werde nicht mehr denken, das wird schon wieder.
Aber was auch wichtig ist! Wir haben sehr viel gelacht.
Unsere Gruppe, die Schleswig-Holsteiner, sind wieder ein Stück mehr zusammengerückt.
Ich denke, dass wir sagen können: Ziel erreicht.
Darum möchten wir auf diesem Wege ein ganz herzliches Danke an Jens und sein Team aussprechen, die alles so gut geplant haben.
Auf die nächste Fahrt freuen wir uns schon. Wohl mit ein paar mehr Pausen, denn wir sollen uns ja nicht überfordern.

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