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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

30. Juni 2011 – Vier Wochen Bad Bramstedt

Zur Reha willst du? Ob die Kasse dir das genehmigt ? Warum denn nach Bad Bramstedt, das ist ja gleich vor der Tür. So wurde ich gefragt, als ich berichtete, dass ich zur Reha möchte.

Zehn Jahre war meine letzte Reha her. Ich hatte den Eindruck, dass die KG vor Ort einfach nicht mehr ausreichte. Darum der Antrag. Ob ich eine Reha bekommen würde? Ich wollte es versuchen. Also ging ich zu meiner Hausärztin, sie fühlte mit mir den Antrag aus und keine sechs Wochen später bekam ich den Bescheid. Nach Bad Bramstedt wollte ich gern, weil die Klinik vom Bundesverband Polio zertifiziert worden ist, und bevor ich sagen kann, geht doch dort hin, wollte ich es selber ausprobieren. Wie sind die Ärzte, Therapeuten, das Umfeld? All dies wollte ich selber ausprobieren. Von meiner Freundin die schon einige Male als PPS-Patientin dort war hatte ich nur Gutes gehört.

Also packte ich zum 25. Juli meine Koffer und fuhr die 90 km bis nach Bad Bramstedt. Pünktlich um 10.00 Uhr wurde ich von der Stationsschwester freundlich begrüßt und bekam meine ersten Informationen. Die Untersuchung erfolgte nach dem Mittagessen und am Nachmittag war schon meine erste Anwendung. Das Moorbewegungsbad. Davon später mehr.

Bei dem Arztgespräch stellte ich mit Freuden fest, dass ich mit einer informierten Ärztin sprach. .“ Drei Ziele hatte ich mit Ihr erarbeitet.

  1. Mein Bewegungsablauf sollte sich etwas verbessern.
  2. Ich wollte erlernen, wann ich kürzer treten muss.
  3. Ich wollte meinen Herz-Kreislauf optimieren.

Die Devise für meinen Aufenthalt war:“ Bitte melden sie sofort wenn etwas zu anstrengend ist. Wir wollen nicht, dass Sie sich überfordern.“ Dabei half mir sehr, dass ich die Wege zu den Therapien gefahren wurde.

So bekam ich dann: Moorbewegungsbäder, Solebäder, Massagen, Kreislauftraining, Schulung und Training, Ergotherapie, Physiotherapie mit dem Schwerpunkt Atmen, sowie Gruppengespräche und Entspannungstraining.

Hört sich zuerst viel an. War es dann auch. Ich stellte fest, dass ich nur einmal am Tag eine ganz aktive Anwendung absolvieren konnte, wie z.B. Kreislauftraining. Am nächsten Tag war dann Schulung und Training und am folge Tag Physiotherapie. So überanstrengte ich mich nicht. Pausen zwischen allen Anwendungen hatte ich auch genug.

Das Allerbeste war für mich das Moorbewegungsbad. Man steigt in den Moorschlamm, dieser hat 41 Grad. Zunächst konnte ich es nur 10 Minuten aushalten, aber zum Ende der Reha waren es 20 Minuten. Nach einer gründlichen Dusche ruhte ich gut eingepackt eine halbe Stunde. Vier Wochen war mir nicht kalt, hatte ich warme Füße. Ich denke viele wissen was ich damit sagen will.

Bei der Physiotherapie erlernte ich das richte Atmen. Ganz schön schwer fand ich es. Aber dadurch schlafe ich jetzt durch. Bei der Ergo wurden mir viele ganz einfache Übungen gezeigt, die meine Schmerzen in den Händen vermindern.

Und dann war da noch Schulung und Training. Natürlich hatte ich zuerst viel zu viele Übungen hintereinander absolviert. Die Folge waren Schmerzen. Aber dann erstellten wir ein extra Programm für mich. Zunächst wurde alles nur drei mal geübt. Hört sich ja lächerlich an, oder? Aber ich kann es steigern und wenn ich dann mal bei 15 Übungen ..Pause, wieder 15…. Pause und dann noch mal 15, angekommen bin, wird sich mein Körper bedanken und ich werde ohne Überanstrengung beweglicher sein. Also Ziel erreicht. Aber das wird noch etwas dauern. Beinhaltet natürlich das ich zu Hause weiter üben muss.

Bei der wöchentlichen Visite wurde gefragt wie mir die Anwendungen bekommen, ob es Probleme gibt und nochmals darauf hingewiesen, dass ich mich nicht überfordere.

Zum Personal kann ich sagen, alle waren freundlich und hilfsbereit. Wenn ich sagte PPS wussten sie worüber ich sprach. Das war ein gutes Gefühl.

Wichtig bei einer Reha ist ….. natürlich das Essen. Da ich an einer Glutamat-Unverträglichkeit leide, hatte ich gleich am ersten Tag ein Gespräch mit der Ernährungsberaterin. Ich bekam extra Essen. Dieses war Lecker, abwechslungsreich und satt wurde ich auch.

Weil ich eine Gehilfe benutzen muss, bekam ich einen festen Platz im Speisesaal (sonst ist dort Büfett und jeder kann sich setzen wo er will) und wurde bedient.

In der Freizeit konnte ich viel draußen sein und ohne Steigungen spazieren gehen. Überwiegend verbrachte ich meine freie Zeit mit lesen malen und Musik hören. Durch die Vermittlung der Ärztin lernte ich eine Poliobetroffene aus der Leverkusener Gruppe kennen. Wir haben viele gute Gespräche geführt, waren spazieren haben kleine Ausflüge in die Umgebung gemacht und nicht immer nur von unserer Krankheit gesprochen. Das hat sicher auch zu einem guten Rehaerfolg beigetragen. Im Hause wurden Konzerte angeboten, die ich sehr genossen habe. Es fanden Kreativabende statt. Sonntags konnten wir in einen Gottesdienst besuchen. Eine Bücherei ist im Hause. Also braucht man sich nicht mit Büchern abschleppen.

Mir fehlte auf unserer Station ein gemütlicher Raum, indem man sich mit anderen Patienten treffen konnte. Weiter hätte ich gern noch mehr Freizeitangebote gehabt. Dies habe ich an die Manager im Hause weitergeleitet und als ich wieder zu Hause war, bekam ich einen Brief indem mir versichert wurde, dass sie meine Anregungen bei ihren Planungen mit einbeziehen werden. Wir behalten dies im Auge.

An einem Samstag nutzen wir die Gelegenheit ein kleines Poliotreffen im Coffey Shop abzuhalten. Drei Stunden wurde geplaudert und Erfahrungen ausgetauscht. Dies werden wir im September wiederholen, weil eine Betroffene aus meiner Gruppe dann dort ist. So können wir sie besuchen und uns Alle wieder sehen.

Bei meiner Abschlussuntersuchung konnte ich sagen, ich habe meine Grenzen gespürt, viel neues gelernt und würde in zwei Jahren gern wiederkommen. Der Bundesverband Polio hat meiner Meinung nach eine gute Klinik für uns Poliobetroffene im Norden zertifiziert.

Eva-Maria Goldt-Klimkeit RG 46 Lübeck und Umland

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