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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

Altwerden mit Polio – Wie bereite ich mich auf Veränderungen vor?

Dr. med. Konrad Bettzieche

Jeder Mensch altert im Laufe seines Lebens. Diesem genetisch vorbestimmten Prozess kann sich keiner entziehen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt immer noch an und liegt, bezogen auf Deutschland (mit regionalen Unterschieden), gegenwärtig für Frauen bei etwa 81 und für Männer bei etwa 76 Jahren.

Im Rückbildungsalter, das bei Frauen durch die Menopause deutlich in Erscheinung tritt, nehmen bestimmte Erkrankungen an Häufigkeit zu, z. B.. Alterszucker, Bluthochdruck, Osteoporose, Gelenkverschleiß oder Hirnabbau. Das ist in unseren Genen begründet, aber auch von unserer Lebensweise und den gesellschaftlichen Umständen abhängig.

Wir werden also von Tag zu Tag älter, aber wann sind wir alt? Der Spruch, dass man so alt ist, wie man sich fühlt, weist auf die subjektive Seite in uns hin, die sehr unterschiedlich sein kann.

Es hängt nicht nur vom gesundheitlichen Zustand ab, wie ich mit mir und meinem Alter zurechtkomme. Kann ich meiner jetzigen Situation etwas Positives abgewinnen, stolz auf das früher Geleistete und zufrieden mit dem Erreichten sein, oder fühle ich mich dem „Schicksal“ ausgeliefert und von Ängsten und Sorgen geplagt?

Das Älterwerden kann ich nicht verhindern, aber ich kann mich so gut wie möglich darauf einstellen. Ich kann für mich entscheiden, ob ich mich mit meinen Fähigkeiten und Erfahrungen rechtzeitig auf Veränderungen vorbereiten, vorausdenken und planen will oder ob ich stattdessen abwarte und der veränderten Entwicklung nur noch hinterher laufe.

Wenn das Altwerden schon unter normalen Umständen so komplex ist, um wie viel schwieriger ist es dann erst für uns, auch noch die poliobedingten Ausfälle zu kompensieren bzw. Krafteinbußen auszugleichen. Wir haben uns zwar im Laufe unseres Lebens Techniken angeeignet und Fertigkeiten entwickelt, die wir uns kaum mehr bewusst gemacht haben, aber nach Jahrzehnten einer gewissen Stabilität entwickelt sich ein Post-Polio-Syndrom, das uns oftmals vor größere Probleme und teilweise einschneidende Veränderungen stellt. Davon sind nicht alle „Polios“ betroffen, aber allein die Ungewissheit, ob und in welchem Ausmaß es mich auch „erwischen“ könnte, macht Angst.

Spätestens dann muss ich mich mit der Frage auseinandersetzen, ob und welche Hilfe ich brauche, ob ich mir helfen lassen will und durch wen. Wie fühle ich mich dabei, was gibt mir Sicherheit, was bedeutet mir Selbstständigkeit, was kann ich (noch) selbst tun, was sollte ich besser abgeben?

Es ist gut, wenn wir in Würde alt werden können und uns nicht alleingelassen fühlen, weil wir uns auf unsere Familien, Partner, Freunde, Selbsthilfegruppen oder andere einfühlsame Helfer verlassen können.

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