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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

Schmerztherapie bei PPS

In unserem Seminar in Rheinsberg berichtete Dr. med. Matthias Frenzel zum Thema

Schmerztherapie bei PPS

Um 10.00 Uhr treffen wir uns in einem Seminarraum. Dr. med. Matthias Frenzel, Schmerz­therapeut, aus der Klinik Stralsund referiert zum Thema.

Er erklärt zunächst den Werdegang der Polioerkrankung und dann das PPS. Entscheidend ist die richtige Diagnose. Er erklärt die Kardinalsymptome.

Welche Therapie gibt es?

Es gibt keine kausale Therapie, und es ist auch keine spezifische medikamentöse Therapie möglich. Er weißt darauf hin, dass wir rechtzeitig etwas gegen unsere Schmerzen tun müssen. Sonst verfestigt sich der Schmerz und wird chronisch. Dr. Frenzel nennt uns einige Medikamente, die wir einnehmen können. Wichtig ist dabei immer ein Retard Präparat zu wählen, weil diese den Wirkstoff langsamer abgeben. Aber für genauso wichtig erachtet er das Zusammenspiel von Tabletten, Physiotherapie, Reha, Ergotherapie, Hilfsmittelversorgung, Selbsthilfegruppen.

Also nicht nur Tabletten einnehmen und denken, nun habe ich alles getan! Als Erstes muss ein Behandlungsplan festgelegt werden. Am Besten begibt man sich dafür einige Tage in eine Schmerzklinik, die sich mit PPS auskennt. Die Einbeziehung von anderen Fachdisziplinen ist nötig. Dazu gehören der Orthopäde und der Neurologe. Wichtig ist auch, so nannte es Dr. Frenzel, „Ferien von den Medikamenten“ zu nehmen. Nach 14 Tagen Pause kontrollieren, wie geht es mir. Nach 1,5 Jahren sollte man die Präparate evtl. verändern.

Genauso wichtig ist die Methode „by the clock“, das heißt, die Medikamente immer zur gleichen Zeit einzunehmen.

Viele hörten wieder die „ZWEIERREGEL“: Wir benötigen die Hälfte der Medikamente(Wir haben weniger Muskelmasse, einen anderen Wasserhaushalt darum weniger Medikamente.), benötigen aber die doppelte Zeit zur Schmerzbekämpfung und die doppelte Zeit zum Erholen.

Und dann berichtet Dr. Frenzel, dass er den Angehörigen des Poliopatienten, die eine OP durchmachen müssen, immer sagt: wir behalten den Patienten etwas länger an der Beatmung oder auch auf der Intensivstation. Dies geschieht zur Vorsicht. Denn ihm ist bekannt, dass wir eine andere Narkose benötigen wie nicht Poliobetroffene.

Bei einer Schmerztherapie ist die laufende Kontrolle wichtig. Der PPS-Patient braucht wenige, lieber zwei kleine Gaben Medizin, er verträgt viele Medikamente nicht und kann schnell überdosiert werden. Die Medikamenteneinstellung sollte gegebenenfalls in der Klinik vorgenommen werden. Alle Symptome müssen beachtet werden, da auch noch viele andere Erkrankungen mit in Betracht kommen, die ähnliche Symptome haben.

Dr. Frenzel geht auch noch auf die Atemprobleme bei PPS ein. Folgende Symptome gibt es:

Tagesmüdigkeit, Leistungsabfall, Angstgefühle, Depressionen, Nervosität, Schwindel, Gastritis

Anamnese: Lungenfunktionstest in Funktionsstellung, Atemkraftmessung, Blutanalyse, Schlaflabor. Regelmäßig überprüfen lassen.

Therapie: Sauerstoffzugabe.

Dies ist eine kurze Zusammenfassung von dem Vortrag. Viele Fragen wurden gestellt und die Zeit verging im Flug. Wir haben dann erst einmal eine kleine Pause eingelegt, durchgeatmet.

Anschließend ging es weiter mit der Physiotherapeutin Frau Rother, die uns über die Dorn-Breuss Methode informierte.

Zunächst erklärte sie uns, wozu unser Rückgrat eigentlich gedacht ist und wie jeder einzelne Wirbel heißt. Herr Dorn war kein Arzt und doch hat er eine Methode entdeckt, die vielen Rückenkranken ganz schonend hilft. Herr Breuss hat eine Massagetechnik entwickelt. Beides zusammen ist sehr effektiv. Für PPS-Patienten empfiehlt Frau Rother je einmal abwechselnd die Dorn- und die Breuss-Methode. Dazwischen können wir uns erholen. Sie führt die Dorn-Methode im sitzen durch.

Viele Rückenleiden sind seelischen Ursprungs, denn unser Rücken ist die Seele des Körpers.

Sie zeigt noch einige andere Ursachen auf. Dazu gehören falsche Ernährung, die Umwelt, Medikamente, unsere Zähne usw., um nur einige zu nennen.

Frau Rother zeigt uns die Wege von den Wirbeln zu verschiedenen Organen. So kann es sein, dass ein verschobener Wirbel zu Schmerzen führt, wie z. B. der erste Brustwirbel am Unterarm, an der Hand, Luft und Speiseröhre Schmerzen bereiten kann.

Anschließend beantwortet auch sie viele Fragen. Die Standardfrage nach der Bezahlung der Behandlungskosten beantwortete sie wie folgt: „Nein, die Kasse zahlt diese Behandlung nicht“.

 

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