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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

1. und 2. Oktober 2012: Hilfe zur Selbsthilfe – Atemgymnastik –

Die Seminartage am 1. und 2. Oktober 2012 in Neumünster und Ratzeburg wurden durch großzügige Unterstützung der BARMER GEK ermöglicht.

Referentin war Frau Simone Jahns (Sportphysiotherapeutin, Bobath-Therapeutin, Strain/Counterstrain-Therapeutin, Therapeutin nach Dorn), die ihr breit aufgestelltes Wissen gut vermitteln hat.

Der Vortrag gliederte sich wie folgt
• Atemerleichternde Stellungen
• Morgentoilette
• Ausatemtechniken
• Einatemtechniken, Dehnlagen
• Sekretlösung und -transport
• Hustentechniken

Atemerleichternde Stellungen
Patienten mit Dyspnoe (Atemnot), meist Patienten mit Verengungen innerhalb der Atemwege -obstruktiv- suchen in Atemnot Stellungen auf, welche die Atmung erleichtern.
Diese Stellungen sind durch Abstützen oder Hochlegen der Arme gekennzeichnet. Weiter zeigt sich eine erhöhte Muskelanspannung im Hals- u. Nackenbereich.Kutschersitz

  1. Ablegen der Unterarme auf einem Treppengeländer
  2. Abstützen der Arme in der Taille
  3. Abstützen an der Wand oder auf dem Spazierstock bzw. Regenschirm
  4. Yoga = Haltung des Kindes

u.v.m.

Morgentoilette
Diese Technik wird noch im Bett geübt und dient der Sekretlösung.

  1. Pat. liegt in Rückenlage und bewegt den Kopf mit der Einatmung zur Seite und mit der Ausatmung zurück
  2. Arme zusätzlich im Wechsel fußwärts schieben
  3. Beine zusätzlich im Wechsel zum Bettende schieben

Sobald Sekretrasseln im Kehlkopfbereich verspürt wird, bitte im Liegen abräuspern oder aufsetzen und 1 – 2 x abhusten.

Variante:

  1. Pat. liegt in Rückenlage mit aufgestellten Beinen und das Kinn wird mit der Einatmung zur Zimmerdecke mit der Ausatmung zurückgeführt
  2. dann zusätzlich ein Bein im Wechsel ausstrecken

Bei Sekretrasseln wie vor.

Bei erschwerter Sekretabgabe

  1. der Pat. liegt, unteres Bein gestreckt und oben gebeugtes Bein in Seitlage, die Hände hinterm Kopf verschränkt (Kissen unterm Kopf)
  2. bei der Ausatmung wird nun der Oberkörper Richtung Unterlage gerollt
  3. während der Einatmung zurückgerollt

Sobald Sekretrasseln vorhanden in Seitlage abräuspern oder im Sitz 1-2 x abhusten. Gerne vorweg ein heißes Getränk!!!!!

Ausatemtechniken

  1. dosierte Lippenbremse: entspannte Einatmung durch die Nase, Mundschluss für den Luftstau in der Mundhöhle (dicke “ Backen“) und durch die locker aufeinanderliegenden Lippen ausatmen – bewährt bei Asthma –
  2. lange Lippenbremse: entspannte Einatmung durch die Nase und durch die gespitzten Lippen unter Einsatz der Bauch- und Zwischenrippenmuskulatur ausatmen.
    Wichtig! Die folgende Einatmung sollte langsam geschehen.
  3. Phonation: Ausatmung über einen langen Konsonant oder Vokal, kurz = kräftigen
  4. Nasenstenose: bei der Ausatmung ein Nasenloch verschließen
  5. Kehlkopfatmung: über die eng gestellten Stimmpfeifen bei geschlossenem Mund ausatmen.

Diese Techniken verlängern die Ausatmung und kräftigen die Ausatemhilfsmuskulatur.

Einatemtechniken

  1. schnüffelnde Atmung
  2. Einatmung in der Bauchlage oder Päckchenlage
  3. gähnende Einatmung: Zunge nach rachenwärts einrollen und mit geschlossenem Mund einatmen, sprich: gähnen
  4. Lippenpfeife: Luft wird pfeifend eingesaugt
  5. Nasenstenose: durch ein Nasenloch einatmen, während das andere verschlossen ist

Dehnlagen

  1. Brustdehnlage: Pat. liegt in Bauch- oder Seitlage, dreht den Oberkörper entgegen dem Becken je nach Mobilität und lagert hier für einige Minuten
  2. Drehdehnlage: Pat. liegt in Rückenlage und die Beine werden zur Seite abgelegt, der Kopf entgegengesetzt
  3. Halbmond – C-Dehnlage: Pat. liegt in Rückenlage wie ein C gedehnt-

Gerne die Lagen mit Kissen und Decken unterlagern, die Lagen langsam in Ausmaß und Zeit steigern.

Sekretlösunq und – transport

  1. Warme Getränke
  2. Morgentoilette
  3. Ausatemtechniken mit langen oder kurzen Phonationen
  4. Lippenbremse
  5. Drainagelagerungen, d. h. die betroffene Seite liegt oben, eventuell mit Kippung
  6. Blow-Bootle: Flasche mit Wasser füllen und über langen Strohhalm in die Flasche ausatmen.
    Wichtig: Einatemtrainer nie gleichzeitig als Ausatemtrainer nutzen

Hustentechniken

  1. Bei Obstruktion (z.B. fehlender Flimmerhärchenaktivität): wird erst genutzt, wenn Sekret als Rasseln zu hören ist
  • mäßig tiefe Einatmung durch die Nase über die dosierte Lippenbremse 1/3 der Luft
  • ausatmen
  • restliche 2/3 mit der Lippenbremse oder vorgehaltener Hand abhusten

2. Bei unproduktivem Husten / Reizhusten: wenn Pat. kein Sekret hat, Allergiker, Reizhusten

  • etwas Speichel schlucken
  • langsame, mäßig tiefe Einatmung durch die Nase
  • kurz Luft anhalten
  • wenn nötig, kurzes Anhusten
  • oberflächliches Weiteratmen bis der Hustenreiz verschwindet

3. Husten bei Schmerz nach OP:

  • Fixation des OP -Gebietes- durch leichtes anhaltendes Drücken (Narben zusammendrücken)
  • mit Händen bzw. Armen die Rippen zusammenpressen
  • eventuell in kleineren Hustenstößen abhusten

4. Hustenprovokation: für Sekretabtransport und Vermeidung von Bakterienausbreitung

  • ausatmen mit Summen, saccardieren auf aphonische Laute wie F und Sch
  • mit Druck auf den Brustkorb mit den Armen (Rippen zusammendrücken von oben und seitlich
  • gleichmäßig einatmen und ausatmen
  • während der Ausatmung soll der Pat. versuchen zu husten
  • gleichzeitig Druck auf Brustkorb im Hustenrhythmus ausübend und verstärken

Viel Erfolg beim entspannten Atmen!!!

Erst. d. Simone Jahns, Bäk 18.05.2012, Quelle Leitfaden der Physiotherapie-

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