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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

1. Januar 2013: Änderung bei der Heilmittelversorgung

Auf der Sprechertagung in Essen hat Frau Kopf nochmals auf die Heilmittelversorgung hingewiesen:

Viele von uns haben es in der Vergangenheit erlebt, dass Ärzte ihnen keine Physiotherapie verordnet haben mit der Begründung: Ihr Budget würde zu sehr belastet und sie könnten bei der Abrechnung durch die Kassenärztliche Vereinigung in Regress genommen werden.

Seit dem 1.1.2013 gibt es nun eine Änderung speziell für uns Poliobetroffene.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen haben sich auf eine Vereinbarung über bundesweit geltende Praxisbesonderheiten für Heilmittel verständigt, in der auch der langfristige Heilmittelbedarf berücksichtigt wurde.
Hierzu wurden zwei Kataloge mit einer Reihe von Diagnosen entwickelt. Unser Krankheitsbild ist in der Liste über die Vereinbarung über Praxisbesonderheiten nach § 84 Abs. 8 Satz 3 SGB V gelistet und zwar unter dem ICD- 10 Code G 14 Postpoliosyndrom.

Wie komme ich nun zu einem solchen Langzeitrezept?
Der Vertragsarzt muss auf den Verordnungsvordrucken 13 (Heilmittelverordnung – Verordnung von Maßnahmen der Physikalischen Therapie) oder den Verordnungsvordrucken 14 (Heilmittelverordnung – Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie) oder dem Verordnungsvordruck 18 (Heilmittelverordnung – Maßnahmen der Ergotherapie) neben der Angabe des Indikationsschlüssels ZN1/ZN2 oder EN1/EN2/EN3 oder SC1 zusätzlich den für die Verordnung therapierelevanten ICD-10-Code also G 14 Postpoliosyndrom angeben.

Ein Antragsverfahren bei den Krankenkassen nach § 32 Abs. 1a SGB V § 8 Abs. 5 Heilmittelrichtlinie ist entbehrlich.

Diese Verordnungen sind ohne besondere Genehmigung durch die Krankenkasse gültig.
Langfristig genehmigte Verordnungen sind nicht Teil der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Sie werden dem Arzt nicht mehr angerechnet und sind quasi budgetneutral.

Wie lange gilt eine Genehmigung einer langfristigen Heilmittelbehandlung?
Der verordnende Vertragsarzt legt die Verordnungsmenge so fest, dass mindestens eine ärztliche Untersuchung innerhalb von 12 Wochen gewährleistet ist. Es sind also
keine Verordnungen möglich, die z.B. ein halbes Jahr oder gar ein Jahr abdecken.

Bleibt eine Genehmigung einer langfristigen Heilmittelbehandlung auch bei einem Vertragsarztwechsel gültig?
Eine Genehmigung ist für den Patienten ausgestellt und nicht auf einen behandelnden Vertragsarzt beschränkt. Sie bleibt also gültig.

Bleibt eine Genehmigung auch bei einem Kassenwechsel gültig?
Bei einem Krankenkassenwechsel muss ein neues Rezept ausgestellt werden. Zusätzlich gilt für unser Krankheitsbild noch folgende Vereinbarung:
Wir müssen bei der Ausstellung des Rezeptes das Verfahren der Erst-/Folgeverordnung/Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls nicht durchlaufen. Dies ist dadurch begründet, dass diese Patienten in der Regel bereits Heilmittel erhalten haben.

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