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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

10. Oktober 2014: Seminar „Faszien, Schmerz und Tens“

Bericht über das Seminar „Faszien, Schmerz und Tens“ am 10. Oktober 2014 in der Stadthalle Neumünster; Seminarleitung Frau Simone Jahns, Physiotherapeutin.

Die Faszie (aus dem Lateinischen fascia für „Band“, „Bündel“) bezeichnet die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes. Sie besteht aus Außen-, Muskel-, Organ-, Knochen- und Gelenkhaut. Sie bildet ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk. Es werden Organe, Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder, Körperhöhlen und vieles mehr von ihr umspielt. Faszien haben eine stoßdämpfende Funktion. Sie bilden eine Matrix für die interzelluläre Kommunikation. Außerdem spielen sie eine besondere Rolle in der Immunabwehr sowie bei Heilungsprozessen von Gewebeverletzungen.

Faszien verfügen über eine hohe Rezeptoren- und Nervendichte.  So werden Schmerz und Bewegungsänderungen, Druckänderungen, Schwingungen, Temperaturveränderungen sowie Änderungen der Homöostase weitergeleitet. Sie können verhärten und verfilzen, lassen sich aber mit Röntgen und MRT nicht darstellen.

Die Faszie zeigt, wie der Körper in Raum und Zeit verspannt oder beweglich ist. So gibt sie mittels Signale viele Verspannungen, Verletzungen und auch Fehlstellungen an. Verhärtetes Narbengewebe verringert ebenfalls die Faszien–Beweglichkeit und kann mittels spezieller Faszien-Griffe sowie Körperübungen entstört werden. Weiter helfen auch Osteopathie, Yoga und Akupunktur.

Der Schmerz ist unter anderem auch ein Warnsignal der Faszien. Hier wird eine komplexe subjektive Sinneswahrnehmung beschrieben, welche als Warnsignal und auch als Leitsignal auftritt. Das Nervensystem nimmt die alarmierenden Schmerzreize auf und leitet sie in rasender Geschwindigkeit über das Rückenmark zum Gehirn, wo dann die emotionale Bewertung stattfindet.

Ein anhaltender Schmerz, welcher nicht beachtet wird, kann sich verselbständigen. Dadurch entgleist das gesamte Schmerzsystem und die Reaktion kann viel empfindlicher ausfallen. Jeder Mensch nimmt Schmerz anders wahr, der eine spürt ein Stechen, der andere ein Ziehen. Das obliegt dem jeweilig durchgemachtem Schmerzgedächtnis sowie der aktuellen Verfassung. Nach der Beurteilung des Schmerzes werden körpereigene Substanzen ausgeschüttet. Diese lindern den Schmerz häufig, aber auch nur vorübergehend.

Niemand sollte meinen, man könne sich an Schmerz gewöhnen. Ignoranz führt zur Senkung der Schmerzschwelle und somit zur Steigerung der Schmerzempfindlichkeit. Hier kann das körpereigene “Schmerzmittel“ nicht mehr wirken. Um aus dem Schmerzkreislauf zu kommen, sollte man den Körper spüren lernen: systematische Durchführung von Bewegungen mit dem Ziel, Veränderung der Muskulatur zur Anpassung selbiger an jeweilige Anforderungen, systematische Wiederholung von Bewegungsabläufen mit dem Ziel der Lockerung, Leistungssteigerung ohne Veränderung der Muskulatur (Koordination).

Diese Themen können mittels TENS (transcutane elektrische Nervenstimulation) beeinflusst werden. Hierzu bedient man sich der Reizströme im Wechselstrom für Analgesie (2-4 hz) aber auch Muskelstimulation (80-100 hz).  Die unterschiedlichen Tens-Geräte wurden erklärt und vorgeführt.

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