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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

26. September bis 2. Oktober 2014: Studienfahrt zur REHACARE Düsseldorf 2014

Am 26.09.2014 fuhren Polio-Betroffene, teilweise in Begleitung, aus den Regionalgruppen Schleswig-Holstein und Hamburg mit einem Behindertenbus der Stiftung „Mensch Mobil“ nach Essen, wo wir im behindertengerechten Hotel Franz untergebracht waren.

Am 27.09.2014 besuchten wir dann die „REHACARE 2014“ in Düsseldorf. Vorsorglich waren für einige Leute Scooter vorbestellt, was sich im Nachhinein als sehr sinnvoll erwies, die Handhabe war einfach, denn die Wege auf dem Messegelände und durch die Hallen waren doch sehr lang.

Über 900 Aussteller aus 36 Ländern, darunter 400 ausländische Unternehmen, die leider überwiegend nur asiatisch oder englisch beraten konnten, boten Profis und Betroffenen in sechs prall gefüllten Messehallen einen Überblick über Hilfsmittel und Dienstleistungen, die das Leben mit Behinderung, bei Pflegebedarf und im Alter erleichtern.

Wir interessierten uns für Hilfsmittel, Scooter, Rollstühle und Möglichkeiten zu deren Transport. Es gab unendlich viele Anbieter, wobei es schwerfiel, Unterschiede in Qualität und Bedienbarkeit zu erkennen.

Auf dem Stand der Fa. Alber wurden kleine Reparaturen am E-Fix oder Emotion sofort repariert. Sehr interessant war die Vorführung der Treppensteighilfe „scalamobil“ für Rollstühle. Hierbei handelt es sich um einen Treppensteiger mit patentiertem Steigmechanismus zum mühelosen Überwinden von Treppen aller Art. Er steigt mit einer Batterieladung bis zu 300 Stufen und ist geeignet für ein max. Gesamtgewicht von 180 kg. ErgoBalance Griffe sorgen für eine sichere Bedienung mit minimalem Kraftaufwand. Der Treppensteiger ist auch für sehr enge und gewendelte Treppen geeignet, er schont die Treppe dank des intelligenten Steigsystems. Automatische Sicherheitsbremsen am Treppensteiger stoppen zuverlässig an jeder Stufenkante und sorgen für größte Sicherheit. „scalamobil“ passt an die meisten Rollstuhlfabrikate und ist mit patentierter Sicherheitssensorik ausgerüstet und ist auch mit integrierter Sitzeinheit oder Schiebestuhl erhältlich. Der mobile Treppensteiger ist einfach zu zerlegen und somit ideal im Auto zu transportieren. So sind auch unterwegs Treppen kein Hindernis mehr.

Auf dem Stand der Fa. EDAG wurde die EDAG-Rollstuhl-Ladehilfe vorgeführt.

REHA CARE1
Selbstständiges Verladen des Rollstuhls mit zuverlässiger EDAG-Technik
3 Sitzplätze + Rollstuhl
geeignet für lange Rollstühle
crashgeschützte Positionierung des Rollstuhls
Rückrüstung möglich
Geeignet für E-fix und E-motion Systeme bis 38,0 kg
Erforderlich: z.B. VW Golf Plus mit 4 Türen, geteilter Rücksitzbank, ohne zusätzlichen Ladeboden

 

 

Dieses System funktioniert auch bei vielen anderen Autotypen. Kosten ca. 7.200 €uro für die zu montierende Technik plus Einbaukosten. Der Einbau der Rollstuhl-Ladehilfe erfolgt bundesweit durch einen kompetenten Fachhändler! Der Rückbau zum Serienfahrzeug ist jederzeit möglich.

 

Auf dem Stand der Fa. Quingo Mobilität GmbH konnten wir das neue 5-Rad Elektromobil Quingo flyte testen.

REHA CARE2Der Quingo hat 5 Räder, wobei die beiden äußeren Räder vorn zur Stabilisierung dienen. Die aktive 3-Rad Lenkung sorgt für extra Sicherheit bei Steigungen, Bodenwellen und Bordsteinkanten sowie beim Wenden auf Gefällestrecken. Die verstellbaren Fußstützen und die vielfältigen Einstellmöglichkeiten ergeben einen erstklassigen Fahr- und Sitzkomfort. 160 kg Tragkraft sind in dieser Fahrzeugklasse ein Bestwert.
REHA CARE3Kurz und extrem wendig, somit ist der Flyte ideal geeignet in kleinen Geschäften und engen Passagen. Ein starker Motor und Hochleistungsbatterien ermöglichen eine Reichweite bis zu 37 km.
Die Kippschutztechnik ermöglicht Bordsteine im schrägen Winkel sicher hinauf oder hinab zu fahren und verhindert ein Umkippen oder Festfahren.
Als Extraausstattung gibt es eine gefederte Stoßstange, zwei Einkaufskörbe, einen abschließbaren Kofferraum und vieles mehr.
Es gibt 3 Jahre Garantie, Lieferung frei Haus, Training und Montage ohne Berechnung.

 

REHA CARE4Der Quingo Flyte mit seiner einzigartigen Verladestation verfügt über alle Vorteile im Bereich Fahrstabilität, Wendigkeit und Komfort und kann jederzeit im Auto mitgenommen werden. Beim Verladen ins Auto ist kein Heben notwendig, das macht er ganz von alleine. Und dies funktioniert sogar ohne ein teures Liftsystem. Das System Flyte passt in fast jedes Automobil mit Heckklappe, selbst Kleinwagen, wie ein Ford Fiesta oder Opel Corsa eignen sich hierzu. Das Verladesystem kann jederzeit ohne Probleme ausgebaut werden.
Nachteil: Die Rücksitzbank kann nicht genutzt werden. Kosten knapp 6.000 €uro.
Am Stand mit den Haltegriffen für Bad etc. wurde anschaulich und ausführlich beraten, bei den Pflegebetten zusätzlich über die Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

Am Messestand der Fa. Otto Bock wurde ein neues Orthesensystem für Polio-und PPS-Erkrankte vorgestellt, und – womit wohl keiner der Betroffenen mehr gerechnet hat – es gibt tatsächlich ein neues Orthesensystem C-Brace.
Weltweit zum ersten Mal kann durch diese Orthese die Schwung- und Standphase des Gehens kontrolliert werden.
Am Knie- und Knöchelgelenk des Apparates ist jeweils ein Sensor installiert. So wird 50-mal pro Sekunde registriert, welche Bewegung wie schnell ausgeführt wird. Diese Informationen werden an einen Mikroprozessor des C-Brace weitergegeben in Echtzeit.

So ist es z.B. möglich, die Orthese zu belasten und das Bein dabei zu beugen. Das Hinsetzen wird unterstützt. Das Hinunterlaufen von Treppen und Rampen im normalen Wechselschritt ist möglich und vieles mehr.

Voraussetzung für eine orthopädietechnische Versorgung ist frei stehen sowie das Bein aus der Hüfte nach vorn schwingen zu können.

Für den gesamten Ablauf einer solchen Versorgung müssen mehrere Wochen eingeplant werden, von der ärztlichen Untersuchung über Anproben und Herstellung sowie Training und Rehabilitation. Diese neue Technik wird nicht für jeden Polio-Betroffenen geeignet sein, wichtig ist für uns alle aber zu wissen, dass überhaupt an neuen Orthesesystemen geforscht und gearbeitet wird.

Es gab noch vieles mehr zu sehen. Eigentlich war die Zeit zu kurz. Man sollte beim nächsten Mal lieber 2 Tage nutzen und sich vorher mit dem Messekatalog beschäftigen, um gezielter zu den entsprechenden Ständen zu gehen. Insgesamt war die Messe sehr interessant. Wir danken der AOK NordWest für die Förderung.

Werner und Viola Edelberg

 

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Gruppenfoto vor dem Hotel Franz

 

 

 

 

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Treffen vor dem Messestand des Polio Bundesverbandes

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