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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

13. bis 19. September 2015: Studienfahrt „Wellness und Kultur“ nach Dresden und durchs Erzgebirge

Zum 9. Mal organisierte der Polio Landesverband Schleswig-Holstein für seine Mitglieder und Angehörige für die Zeit vom 13. bis 19. September 2015 eine Studienfahrt. Die Mitreisenden wurden in Norderstedt, Bad Bramstedt, Kiel und Lübeck von einem behindertengerechten Bus (Mensch Mobil) mit Rollstuhllift abgeholt. Dann ging die Fahrt gen Dresden. Leider standen wir öfter im Stau, so dass unser Hotel in Kreischa erst spät abends bezogen werden konnte.

Mittelpunkt unserer Reise war der Besuch in die Kurklinik „Raupennest“ nach Altenburg bzw. nach Thermalbad Wiesenbad in die Kurklinik „Miriquidi“. Wir danken der AOK NORDWEST in Kiel, der Besuch dieser beiden Kliniken wurde erst durch die Förderung der Krankenkasse möglich.

Raupennest 1In der Klinik „Raupennest“ wurden wir von einer Dame der Patientenbetreuung empfangen, die uns Einiges über die Entstehung der Einrichtung erzählte und uns anschließend durch die Klinik führte. Wir sahen die Bäderlandschaft, die Therapieräume und auch ein Patientenzimmer. Alles hell und freundlich. Die Bäderlandschaft wurde später auch von einigen Mitstreitern besucht.

Im Anschluss an den Rundgang hielt Chefarzt Dr. Steinfeldt einen Vortrag über Polio, Postpolio und entsprechende Raupennest 3Hilfsmittel und Behandlungen. Er beantwortete auch viele Fragen der Anwesenden. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass es doch sehr wichtig ist, das Impfen nicht zu vergessen.

Zum Kaffeetrinken waren wir in der Gaststätte Zugspitze „Zur Singenden Wirtin“ angemeldet. Nach telefonischer Auskunft sollte die Lokalität behindertenfreundlich und ebenerdig sein. Als wir ankamen musste jedoch festgestellt werden, dass alle Eingänge mindestens 2 Treppenstufen hatten. An einer Treppe waren 2 kleine Bretter angebracht worden, über die jedoch kein Rollifahrer gekommen wäre. Wir blieben erst mal im Bus sitzen. Unser Busfahrer Bodo hatte aber, wie schon sehr oft, eine Idee, und holte mit Helfer Heiko seine 2 Auffahrrampen aus dem Bus. Diese wurden über die Stufen gelegt und alle kamen mehr oder weniger abenteuerlich in die Gaststätte. Die Wirtin sah es nicht so verbissen. Entschädigt wurden wir dann mit leckerem Kuchen und Kaffee, einem Kräuterschnäpschen und lustigem Gesang der Wirtin mit Akkordeonbegleitung, so dass es doch noch einen guten Tagesabschluss gab.

Wiesenbad 1In der Rehaklinik „Miriquidi“ wurden wir von Nadine Hopfmann, Leiterin der Geschäftsstelle des Bundesverbandes Polio, die ihren Sitz in Wiesenbad hat, Frau Meyer, von der Geschäftsführung der Klinikleitung und von Frau Oertel, die für die Patientenbetreuung zuständig ist, empfangen.

Wir wurden über die Geschichte der Klinik informiert. Sie war seit den 50-iger Jahren immer Anlaufstelle für Poliobetroffene der ehemaligen DDR und berühmt durch die heilende Wirkung des Thermalwassers. Es entspringt heute der Georgsquelle und ist seit 1998 anerkannte fluoridhaltige Heilquelle für Trink- und Badekuren. Das Wasser in der Bäderlandschaft ist zwischen 31 und 33 ° C warm – also sehr angenehm für uns.

Eine Krankengymnastin, Frau Schmukat, zeigte uns Bewegungsübungen und Atemtechniken, die für Polios Wiesenbad 4zugeschnitten sind. Eine Reha-Patientin erklärte sich bereit, die entsprechenden Übungen auszuführen. Allerdings muss auch jeder Patient individuell behandelt werden. Es wurden von unserer Seite auch viele Fragen gestellt, die von Frau Schmukat beantwortet wurden.

Im Anschluss daran konnte sich jeder individuell die Klinik, die Bäderlandschaft, die Wandelhalle, in der auch das Thermalwasser kostenlos ausgeschenkt wurde, und den Kurpark mit Kräutergarten anschauen, oder auch nur Kaffee trinken gehen. Einige nutzten auch wieder das Angebot, die Bäderlandschaft zu besuchen, um im Thermalwasser zu entspannen.

Der Kurpark ist seit ein paar Jahren auch sehr bequem und barrierefrei durch einen Lift und Tunnel zu erreichen.

PillnitzAn einem Tag unserer Tour besuchten wir das Schloss Pillnitz mit seinen schönen Parkanlagen und der über 230 Jahre alten und etwa knapp 9,0 m hohen Kamelie. Sie hat leider zu dieser Jahreszeit nicht mehr geblüht.

KönigsteinAnschließend fuhren wir zur Festung Königstein. Mit einem Lift wurden wir auf die Burg gebracht und konnten so in die schöne Landschaft des Elbsandsteingebirges schauen. Die Festung ist eine der größten Bergfestungen in Europa und hat eine über 800 Jahre lange Geschichte.

Nach diesem Schloss- und Festungsbesuch hatten wir im Hotel nach dem Abendessen ein gemütliches Beisammensein mit Unterhaltungsprogramm.

Ein Tag war ausgefüllt mit dem Besuch des Jagdschlosses Moritzburg und Schloss Wackerbarth. Im Schloss Moritzburg wurden alle Rollifahrer einzeln mit dem Personallift in die 1. Etage gebracht, wo wir dann in drei Durchgängen eine Führung hatten.Moritzburg2

Moritzburg diente“ August dem Starken“ als Jagdschloss. Er war bekannt für die Jägerei und liebte schöne Frauen. Die barocke Ausstattung ist vollständig im Schloss erhalten geblieben. Das Museum enthält erlesene Stücke, wie Möbel, Porzellan, Tapeten und gibt einen Überblick über die Wohnkultur im 16. bis 18. Jahrhundert.

Danach ging es zum Schloss Wackerbarth – Sächsisches Staatsweingut in Radebeul.

Hier hatten wir eine Führung durch das Weingut und die Produktionshallen mit anschließender Weinverkostung. Produziert werden hier Weine, wie „Müller–Thurgau“, „Burgunder“ und „Riesling“. Ringsum hatten wir den Blick auf die Weinhänge.

Der letzte Tag unserer Reise war Dresden, insbesondere der Frauenkirche und der Semper-Oper gewidmet.
In der Frauenkirche wohnten wir einer Orgelandacht mit zentraler Kirchenführung bei. Die Kirche wurde 1945 total zerstört und nach 1990 wieder aufgebaut. Wer Dresden besucht, sollte sich unbedingt Zeit für die Frauenkirche nehmen. Sie wird für viele Veranstaltungen genutzt. Zum Teil ist sie auch für Rollstuhlfahrer und Behinderte zugängig. In jahrelanger Kleinarbeit wurde die Kirche wieder zu dem, was sie heute ist. Es war schon ein Erlebnis, sie von innen bewundern zu können.

Der krönende Abschluss war dann der Besuch der Semperoper am Abend. Es sollte auch dort alles behindertengerecht sein. Aber im Inneren mussten wir dann feststellen, dass auch dort noch einige Treppenstufen zu überwinden waren. Das fiel einigen Rollifahrern doch sehr schwer, dann dort in die entsprechenden Reihen zu den Plätzen zu gelangen. Wir konnten das Innere des Hauses bewundern und waren angetan von der Innenausstattung. Es wurde das Stück „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner gebracht.

Dank unseres umsichtigen Busfahrers Bodo konnten wir immer ziemlich dicht an die zu besichtigenden Gebäude fahren und ersparten uns somit längere Wege.

Wir denken, dass es eine gelungene Reise war, das Wetter war wie für uns bestellt, wir sammelten viele neue Eindrücke und sagen somit dem Reiseleitungsteam nochmals ein recht herzliches Dankeschön.

Werner und Viola Edelberg

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