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Polio Landesverband Schleswig-Holstein

17. September 2015: Exkursion zur Rehaklinik “Miriquidi“ im Thermalbad Wiesenbad im Erzgebirge

Mitglieder des Polio-Landesverbandes S.-H. fuhren am 17.09.2015 bei schönem Wetter vom Hotel in Kreischa nach Thermalbad Wiesenbad zur REHA-Klinik „Miriquidi“. An der Studienreise nahmen 33 Personen teil, davon ca. 13 Rolli’s und 3 Personen mit Rollator und 4 weitere gehfähige Poliobetroffene. Der Besuch der Klinik wurde durch die Förderung der AOK NORDWEST in Kiel ermöglicht; wir danken der Krankenkasse dafür.

Ca. 11:00 Uhr erreichten wir Wiesenbad. Leider konnten wir nicht direkt vor den Eingang fahren, da die Durchfahrtshöhe der Eisenbahnbrücke für unseren Bus zu niedrig war. Aber vom Parkplatz am neuen Kurpark ging es mittels eines Fahrstuhls, der 2008 in Betrieb genommen wurde, barrierefrei zur Wiesenbad 1REHA-Klinik. Im Kursaal wurden wir von Nadine Hopfmann, Leiterin der Geschäftsstelle des Bundesverbandes Polio und von Frau Meyer von der Geschäftsführung der REHA-Klinik begrüßt.

Unser Bundesverband Poliomyelitis e.V. ist eine Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmung. Er ist der größte Polioverband in Deutschland und der Zweitgrößte in Europa. Ein Hauptthema des Verbandes ist die Impfaufklärung, besonders jetzt wichtig wegen der Zuwanderung aus den Kriegsgebieten wie z.B. Syrien und Afghanistan.

Die Aufklärung über Polio und Post-Polio für Betroffene hat für den Vorstand oberste Priorität. Frau Ulrike Jarolimeck kümmert sich speziell um die Beratung von Angehörigen.

Ziele des Verbandes:
Unter Einbindung des sozialen Umfeldes, der Arbeitswelt und der Familie soll den PPS-Betroffenen weitgehend geholfen werden, ihre eigene Situation besser einzuschätzen und ihren künftigen Lebensweg umzustellen.

Durch eine vielfältige Öffentlichkeitsarbeit soll die Problematik des PPS aus der Unwissenheit gelöst werden und der/die PPS-Betroffene in die Lage versetzt werden, dass die Problematik der Erkrankung nicht mehr als Hypochondrie oder psychosomatische Erkrankung abgewertet werden. Vor allem aber soll unter dem Motto „GEMEINSAM SIND WIR STARK“ bundesweit und flächendeckend der Aufbau von Selbsthilfegruppen vor Ort tatkräftig unterstützt und vorangetrieben werden. Anschriften von informierten Kliniken, Ärzten und Krankengymnasten werden gesammelt und an die jeweiligen Regionalgruppen weiter gegeben.

Vorträge, Kurse, Gesprächsgruppen in Zusammenarbeit zwischen den Regionalgruppen und dem Bundes-verband sollen die Betroffenen und ihre Angehörigen befähigen und motivieren das Leben mit den Symptomen anzunehmen und zu gestalten.

Die Rehaklinik Miriquidi, Gesellschaft für Kur und Rehabilitation mbH gehört zu den Rehabilitationskliniken, die nach den vom medizinisch wissenschaftlichen Beirat des Bundesverbandes Poliomyelitis e. V. erarbeiteten Kriterien empfohlen werden. Die Zertifizierung erfolgt alle 3 Jahre.

Frau Oertel von der Patientenbetreuung erläutert kurz die Geschichte der REHA-Klinik. Die Legende besagt, dass bereits im Jahre 1496 ein Schäfer die heilende Wirkung unseres Thermalwassers entdeckte. Aber bereits im Jahr 1501 ließ der Rittergutsbesitzer von Wiesa und Bergherr von Geyer, Hans Friedrich, die Quelle fassen und ein erstes Badehaus errichten. Die Hiobsquelle deckte den Thermalwasserbedarf für den gesamten Kur- und Bäderbetrieb bis zum Jahre 1921.

Für die heutige Georgsquelle erfolgten in den Jahren 1919 — 1921 mehrere Bohrversuche. Das erschlossene Wasser besaß artesichen Auftrieb und kommt aus einer Tiefe von ca. 78 m. Diese Quelle mit einer Ergiebigkeit von 175 Liter/Minute und einer konstanten Temperatur von 26° Celsius deckt seit 1921 den gesamten Thermalwasserbedarf. Im Jahr 1998 bestätigt das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Familie die staatliche Anerkennung als Heilquelle für Trink- und Badekuren sowie die Bezeichnung als „fluoridhaltige Thermalquelle“. In der Wandelhalle ist neben dem Thermalwasserausschank auch die Zusammensetzung des Wassers ausgewiesen.

Prof. Arnold wurde 1954 mit der Leitung des Thermalbades Wiesenbad beauftragt. In Wiesenbad entwickelte er eine spezielle Heilmethode für Patienten mit Folgen der spinalen Kinderlähmung, die aus der Kombination von Thermalbad und gezielter Bewegungsbehandlung bestand. Nach umfangreichen Bauarbeiten wurde 1955 im Sanatorium Thermalbad Wiesenbad der Kurbetrieb aufgenommen. Aufgrund der Tatsache, dass die Komplexbehandlung mit Thermalwasser besonders erfolgreich war, wurde das Thermalbad Wiesenbad zum wichtigsten Polio-Rehazentrum der DDR.Wiesenbad 2

Das Robert-Koch-Haus wurde von 1958 bis 1992 als Kinderkurheim genutzt. Nach umfassender Sanierung steht das Gebäude mit dem Café „Sophie“ seit 11. Juli 1997 unseren Gästen wieder zur Verfügung.
Das Badehaus wurde während des 2. Weltkrieges (1939 — 1945) als Lazarett und in den darauffolgenden Jahren für Flüchtlingsfamilien genutzt.

Seit 1955 diente das Badehaus als Betten- und Therapiehaus mit Schwimmbassin und Behandlungsräumen den schwerstbehinderten Patienten.

Im Jahre 2001 wurde mit der komplexen Sanierung des Gebäudes begonnen. Es steht den Gästen ab 2002 wieder zur Verfügung. Im Kellerbereich befindet sich seit ca. 10 Jahren der Kräuter- und Wellnessbereich.

1991 wurden in die Kur und Rehaklinik ca. 88 Mio. DM investiert.

1995 entstand die Bäderlandschaft mit Therapie-, Ruhe,- Strömungs- und Außenbecken. Vormittags steht sie den Hausgästen zur Verfügung. Ab 14:00 Uhr und am Wochenende ab 9:00 Uhr ist die Therme für die Wiesenbad 3Öffentlichkeit zugängig.

 

Die Kurklinik verfügt über 260 Betten in überwiegend Einzelzimmern; aber auch Zweibettzimmer stehen zur Verfügung. Außerdem verfügt die Klinik über Fitnessstudio und Bewegungsparcours. Es ist eine orthopädisch-neurologische Klinik und bietet diverse Kuren an. Ausreichend Freizeitangebote werden angeboten.

Der 4 ha große Kurpark liegt zentral in der Ortsmitte von Thermalbad Wiesenbad und ist seit 2008 barrierefrei von der Klinik zu erreichen.

Zum Kurpark gehören:
verschiedene Parkwege auch als Ausgangspunkt für den Rad-, Wander- und Terrainwegeparcours, ein Bewegungs- und Koordinationsparcours, die Klanginsel, die Veranstaltungswiese mit Kurpavillon und die Kurparkhalle mit Gastronomie, Ateliers, Galerie, Shops und Einrichtungen des Thermal-Heilkräuter-Zentrums.

Nach dieser interessanten Einführung gab es eine leckere Kräutersuppe mit Dinkelbrot und Thermalwasser. Nach der Stärkung ging es zum nächsten Abschnitt unseres Besuches im Thermalbad Wiesenbad.

Es gibt keine spezielle Polio-Behandlung sondern viele unterschiedliche Therapiemaßnahmen. Jeder Patient wird individuell behandelt. Vor der Krankengymnastik sollte immer eine Packung, z.B. eine Kenny-Packung (feuchte, heiße Schafwolltücher), oder Massage sein. Zu Beginn der Einzel-KG wird der Jandatest (Krafttest) an Arme, Beine und Füße durchgeführt. Es ist auf gute Lagerung zu achten. Es wird genau ge-prüft, welche Einschränkungen vorliegen (Gelenke, Muskeln). Sehr wichtig sind PNF-Übungen.

Physiotherapeutin Frau Schmukat erläuterte an einer sich zur Verfügung gestellten Patientin diverse Übungen und Behandlungsmethoden.

Wiesenbad 4Während der Behandlung wird auf Atem-Übungen und kurze Massagen geachtet. Am Tag sollten nicht mehr als eine anstrengende Behandlung erfolgen.

Bei einer Skala von 0 – 5 könnten bei einer 3 – 4 beim Jandatest möglicherweise Therapien zum Muskelaufbau durchgeführt werden, bei 1 und 2 nicht. Aber: nie überlasten!

Der Muskel ist nicht krank, nur die Nerven sind geschädigt.

Bei Bedarf wird auch eine Triggerpunktbehandlung durchgeführt. Faszientherapie wird während der Massage mitgemacht.

Es wurden verschiedene Rückenübungen im Sitzen erläutert.

Nach der aktiven Behandlung sollte eine Nachruhe von ca. 30 – 60 Minuten eingehalten werden.
Wichtig sind auch Entspannungsübungen nach Jacobsen. Die Therme hat ebenfalls einen hohen Entspan-nungsfaktor.

Wir bedankten uns bei Frau Schmukat und ihrer Patientin für die Vorführungen und Erläuterungen.
Nach dieser Veranstaltung gingen einige ins Thermalbad, andere machten sich mit der Einrichtung der Rehaklinik und dem Kurpark vertraut.

Gegen 16:30 Uhr ging es zurück mit dem Bus nach Kreischa in unser Hotel.

Ein großes Dankeschön gilt unserem Busfahrer Bodo und seinem Helfer Heiko, die beim Ein- und Ausladen der Rolli’s hervorragende Arbeit leisteten. Bodo danken wir für seine umsichtige Fahrweise. Ebenfalls ein herzliches Dankeschön an die „Reivogru“ unter Leitung von Jens, die uns diese wunderbare Reise organisiert haben.

Werner und Viola Edelberg

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