Seite druckenzurück
Polio Landesverband Schleswig-Holstein

2. Juli 2010 – Atmen, muss man das Lernern?

Bei unseren Gruppengesprächen stellen wir immer wieder fest, dass einige Probleme mit dem Atmen haben. Darum haben wir in diesem Jahr bei den Krankenkassen eine Atemtherapie als Projekt beantragt. Es dauert sehr lange bis wir das nötige Geld zusammen haben.

Im Juli ist es dann soweit. 14 Poliobetroffene aus der RG 46 & RG 81 finden sich im Gesundheitszentrum Berkenthin pünktlich um 14.30 Uhr ein.

Was kommt auf uns zu? Ein wenig sind wir schon gespannt wie es wird.

Fünfmal werden wir uns treffen. Da die Anfahrt für einige doch sehr weit ist, haben wir immer zwei Stunden zusammengelegt.

Frau Torbeck unsere Therapeutin verbindet bei den Übungen gute Körperhaltung, leichte Bewegung und Entspannungsübungen mit dem Atemfluss.

Wir lernen bei langsamen Bewegungen richtig zu Atmen. Merken wenn wir zu tief und zu oft hintereinander ein und ausatmen, das uns dann ganz schwindelig wird.

Atmen denkt der Mensch geht doch ganz von allein. Stimmt, aber wir können viel dazu beitragen, unsere Lunge, Magen, Herz und Muskeln richtig zu belüften. Dabei ist das Zwerchfell ein ganz besonders notwendiges Organ.

Haben wir Schmerzen können wir in den Schmerz atmen. Wir üben nur in den Bauch, die Brust oder in den Rücken zu atmen. Unsere Hände unterstützen die Übungen.

In den Stunden, haben wir natürlich auch Spaß.

Als wir mit dem Strohhalm die Mini-Smartis aufnehmen, oder sie dann wegpusten müssen merken wir, das ist gar nicht so leicht. Als wir wie die Gassenhauer pfeifen, probieren wir, wer hält den Ton am längsten.

Als wir die Wattebälle in ganz bestimmte Richtungen pusten, benötigen wir mal wenig und mal mehr Atemvolumen. Als wir mit Lauten üben wo die Luft hingeht, erspüren wir dies auch mit den Händen. Wir atmen tief durch die Nase ein und z.B. bei dem Ton A legen wir beim Ausatmen die Hände auf unseren Brustkorb. Es vibriert sogar etwas beim Ausatmen. Muss sich toll angehört haben unsere Töne. Alle Übungen sollen nur dreimal durchgeführt werden, dann atmet jeder wieder in seinem Atemrhythmus. Und danach geht’s weiter.

Wir sind nach den Stunden besonders im Halswirbelbereich gut beweglich. Je lockerer wir uns bewegen und je weiter wir unsere Schultern und Schulterblätter nach hinten strecken können umso besser kann der Atem in den Körper fliesen.

Wir lernen auch die Luft in kleinen Stößen auszuatmen und was eine Lippenbremse ist.

Es ist gut, wenn wir mal gähnen, den Kiefer beweglich halten, unsere Zunge hinten im Gaumen entlang fahren lassen. Bei diesen Übungen gibt es viel Gelächter, sieht ja auch zu komisch aus.

Eine Therapie die jeder immer tun kann ist singen, pfeifen, lachen und auch mal weinen.

Das was wir in den Stunden gelernt haben können wir gut zu Hause weiterführen.

Ganz bestimmt wird ab und zu bei unseren Treffen die eine oder andere Übung noch einmal geübt. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät.

Nach der Atemtherapie sind wir doch etwas erschöpft.

Atmen ist anstrengend, dies hätten wir nicht gedacht.

Einige gehen danach noch in die Möllner Backstube in Berkenthin um das Erlebte mit den Anderen bei einem Pott Kaffee Revue passieren zu lassen.

Eva-Maria Goldt-Klimkeit

Kommentare sind geschlossen.